Wiener Heizkostenzuschuss nur noch bis 31.1. 2011 – Wehsely verhöhnt AlleinerzieherInnen
(Wien, 28.1.2011) In einer ersten Antwort auf die Protestaktion des
Menschenrechtsvereins „AKTIVE ARBEITSLOSE“ gegen die Halbierung des
Heizkostenzuschusses und weitere Einschränkung des BezieherInnenkreises
zeigt Sonja Wehsely wenig Einsicht und Null Verständnis für
AlleinerzieherInnen. Auch die verkürzte Antragsfrist bis 31.1.2011
bleibt!
Unsoziales Wien
Als einziges Bundesland in Österreich sollen in Wien neben
MindestpensionistInnen nun nur noch jene Menschen einen
Heizkostenzuschuss erhalten, die sich dem neoliberalen
Arbeitszwangsregime der Mindestsicherung unterwerfen. Dieses bedeutet:
- Datenstriptease über die gesamte Familie bzw. den gesamten Haushalt,
- Verwertung des letzten Vermögens,
- Zwang den nächst schlechten Job anzunehmen und
- Zwang
mitunter völlig sinnlose, demotivierende und geradezu krank machende
AMS-Zwangsmassnahmen über sich ergehen zu lassen. Sogar die
Unterschrift unter völlig rechtswidrige Verträge wird von der MA 40 und
vom AMS aufgenötigt (siehe sittenwidrige Verträge von team4)
- Zwang Beratung und Betreuung zu machen, die auch einer Zwangsbehandlung nahe kommt.
Das alles aufgrund eines Mindestsicherungsgesetzes, dem in seiner
Schwammigkeit das Bestimmtheitsgebot der Verfassung unbekannt ist und
das den Betroffenen kaum Rechte einräumt - auch nicht das Recht mit
guter Begründung die von oben herab aufgedrückten Zwangsmassnahmen
abzulehnen. Berufungen gegen Bezugskürzungen oder –streichungen steht
die Gemeinde Wien in ihrer letzten Existenzsicherung erst gar keine
aufschiebende Wirkung zu. „Die Menschen werden so voll der Willkür der
MA 40 ausgeliefert und gefügig gemacht“ analysieren die AKTIVEN
ARBEITSLOSEN die repressive Ausrichtung der Wiener Mindestsicherung.
Frau Wehsely: Sollen AlleinerzieherInnen ihr letztes „Vermögen“ verwerten?
Geradezu zynisch ist die Anpreisung der Mindestsicherung für
KinderbetreuungsgeldbezieherInnen, damit diese den Heizkostenzuschuss
beziehen können. Warum Frauen, die Kinder groß ziehen und so vor allem
als Alleinerzieherinnen ein besonderes Armutsrisiko auf sich nehmen,
ihr Vermögen verwerten sollen, um einen Heizkostenzuschuss zu erhalten,
bleibt unbeantwortet. In allen anderen Bundesländern bleibt
KinderbetreuungsgeldbezieherInnen dieser demütigende Umweg erspart.
„Das ist eine Realitätsverweigerung wie sie sonst Marie Antoniette
zugeschrieben wird“ zeigt sich Vereinsobmann Martin Mair verwundert
über die völlig abgehobene Antwort von Sozialstadträtin Sonja Wehsely.
„Bei unseren Recherchen zum Heizkostenzuschuss stießen wir jedenfalls
auf eine völlig uninformierte Servicehotline und auf halbinformierte
Beamte. In der MA 40 scheint Desinteresse und Chaos zu herrschen,“
kritisiert Mair die Abgehobenheit der Sozialpolitik im nunmehr
rot-grünen Wien.
Einkommensfreigrenzen nun doch für Kinder – nur niemand weiss davon
Vermutlich ein kleines positives Ergebnis der Protestaktion: Bei den
Einkommensgrenzen werden nun doch Kinder berücksichtigt, und zwar mit
116,17 Euro pro Kind, der zweitniedrigste Satz in Österreich. Der
Haken: Weder auf der Homepage der Gemeinde Wien wird darauf verwiesen
noch wusste vor der Protestaktion die Servicehotline der MA 40 und eine
von Sonja Wehsely selbst als Ansprechperson genannte leitende
Mitarbeiterin der MA 40 davon.
Arme reiche „Sozialhauptstadt Österreichs“
Wien ist das reichste Bundesland Österreichs: Das Bruttoregionalprodukt
Wiens lag 2007 mit 43.300 Euro/Person deutlich über dem
Österreich-Schnitt von 32.200 Euro. Dennoch bildet Wien beim
Heizkostenzuschuss das soziale Schlusslicht Österreich und lässt
weiterhin schätzungsweise über 150.000 Menschen frieren, viele davon
Kinder. Das hält aber die Propagandamaschine des Rathaus aber nicht
davon ab, in der eigenen Werbepostille wien.at sich auf des
Steuerzahlers kosten als „Sozialhauptstadt Österreichs“ zu rühmen.
Rückfragehinweis:
Mag. Ing. Martin Mair
Obmann „AKTIVE ARBEITSLOSE“
Tel. +43 676 3548310
kontakt@aktive-arbeitslose.at
Weitere Informationen:
Infos zur Protestaktion inklusive Anwortmail von Sozialstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) und Birgit Hebein (Grüne): http://www.aktive-arbeitslose.at/mindestsicherung/wien
Bundesländervergleich: Heizkostenzuschuss in Österreich
http://www.aktive-arbeitslose.at/mindestsicherung/heizkostenzuschuss_2010-2011_uebersicht_oesterreich.html
Greenpeace und Armutskonferenz: 330.000 Menschen können sich warme Wohnung nicht leisten (19.12.2010) http://www.armutskonferenz.at/index.php?option=com_content&task=view&id=230&Itemid=142
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